Keine Angst vor Basel II - Teil 3 zurück
Die Folgen für kleine und mittlere Unternehmen
Die in Basel II definierten Forderungen nach Transparenz richten sich auf Grund ihrer klassischen Kreditfinanzierung insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen, die fast ausnahmslos ein bankinternes Rating erhalten werden. Die strengeren Evaluierungs-Methoden stellen an die KMU besondere Anforderungen hinsichtlich der Informations-Effizienz und an die Bereitschaft, die eigenen Strukturen offen zu legen.
Insbesondere kleineren Gesellschaften werden wegen der starken Personengebundenheit der Unternehmensführung tendenziell höhere Risiken unterstellt werden. Daraus ergibt sich für Unternehmen guter Bonität sogar eine Verbesserung der Kreditkonditionen.
Eigenkapitalfinanzierung scheidet meist aus
Da das Vermögen der Gesellschafter überwiegend im Unternehmen gebunden ist, scheidet eine Erhöhung des Eigenkapitals durch zusätzliche Einlagen für die meisten Firmen aus. Wenn die zusätzliche Kreditaufnahme aber blockiert ist, besteht unter anderem die Gefahr, dass notwendige Investitionen nicht durchgeführt und Forderungsausfälle die Liquidität empfindlich beeinträchtigen können.
Deshalb hat der Baseler Ausschuss verfügt, dass Banken bei der Kreditvergabe an KMU (Jahresumsatz bis zu 50 Mio. EUR) eine größenabhängige Anpassung der Risikogewichtungsformel vornehmen können. Das heißt, dass Banken im Rahmen des internen Ratings die Möglichkeit erhalten, gewerbliche Kredite an KMU getrennt von den an größere Unternehmen vergebenen Krediten auszuweisen.
Bis zu 20 Prozent geringere Mindestkapitalunterlegung für KMU
Nach den Bestimmungen von Basel II gilt für Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen eine geringere Eigenkapitalunterlegung, die je nach Größe des Schuldners um bis zu 20 Prozent unter der eigentlich erforderlichen Mindesteinlage liegen kann. Zudem können Banken Kredite im Gesamtvolumen von bis zu einer Mio. EUR als Privatkunden-Kredite behandeln, d.h., dass der fortgeschrittene IRB-Ansatz für Privatkunden (siehe Teil 2: "Die Bestimmungen im Detail") angesetzt werden kann. Interessant ist hierbei, dass Ausfallwahrscheinlichkeit, Ausfallquote und die Kredithöhe zum Zeitpunkt des Ausfalls nicht einzeln berechnet werden müssen; die immanenten Risiken müssen nicht für den zugrunde liegenden Kredit, sondern können für ganze Bestände ähnlicher Kredite geschätzt werden.
Kaum Alternativen zur klassischen Kreditfinanzierung
Weil die Möglichkeiten zur Stärkung der Eigenkapitalbasis oft kaum vorhanden sind, muss sich der Unternehmer den steigenden Transparenz-Anforderungen an die Darstellung der Firmensituation möglichst rasch stellen. Denn die Fremdkapitalfinanzierung wird in zunehmendem Maße von der Nachvollziehbarkeit der Geschäftsbeziehungen, der cash-flows und der Führungsphilosophie abhängen.
Die höchsten Anforderungen an eine vergleichbare Darstellung dieser Strukturen und Prozesse stellen derzeit sicher Private Equity Gesellschaften. Auf Grund des bei den meisten KMU begrenzten Risiko-Rendite-Profils kommen diese als Geldgeber aber ohnehin nicht in Frage. Venture Capital oder Privatplatzierungen spielen hierzulande eher eine untergeordnete Rolle. Auch die meisten weiteren erwerbswirtschaftlichen Beteiligungsgesellschaften sehen in dem aus ihrer Sicht eher kleinvolumigen Kapitalbedarf der meisten KMU kein Gewinnpotenzial.
Als Alternative zum Bankkredit werden häufig so genannte Mezzanine-Finanzierungen angeführt. Diese Zwitterform der Finanzierung soll die Lücke zwischen Eigenkapital und klassischer Fremdkapitalaufnahme schließen. Durch eine Rangrücktrittserklärung wird der Mezzanine-Kapitalgeber im Falle einer Insolvenz/Liquidation gegenüber sonstigen Fremdkapitalgebern nachrangig behandelt. Gegenüber den Eigenkapitalgebern wird er dagegen bevorzugt bedient.
Ihre Renditeerwartung (die der Mezzanine-Kapitalgeber) liegt daher zwischen der des Fremdkapitalgebers und der vom Gesellschafter erwarteten Verzinsung des Eigenkapitals. Sie besteht aus einer Zinskomponente und einer Beteiligungsform am künftigen Unternehmenserfolg. Der Vorteil liegt in der sehr flexiblen Ausgestaltungsmöglichkeit dieser Modelle, die dem Unternehmer ein Höchstmaß an Autonomie bieten. Handels- und steuerrechtlich können Mezzanine-Finanzierungen als Betriebsausgaben deklariert werden. Die Laufzeiten liegen in der Regel zwischen fünf und zehn Jahren.
Interessant ist diese Finanzierungsform vor allem für solche Mittelständler, die zwar einen stabilen Cash Flow generieren, die Kreditlinien bei der Bank aber bereits ausgeschöpft haben. Die Investoren setzten dabei stärker auf künftige Zahlungsströme als auf Sicherheiten und Bürgschaften. Die Nachrangigkeit der Forderungen gegenüber den Bankforderungen lässt den KMU zudem Spielraum für weitere Finanzierungen mit Hilfe der Bank. Wird das Mezzanine-Kapital beim Banken-Rating als Eigenkapital gewertet, führt dies sogar zu einer Verbesserung der Bonität.
Bewertung „harter" und „weicher" Faktoren
Jedoch gelten auch hier sehr hohe Anforderungen an die Transparenz. Bezüglich der so genannten „harten Faktoren" ist es für den Unternehmer wichtig, etwa Planbilanzen, Planmittelflussrechnungen und Planergebnisrechungen zur Verfügung zu stellen. Alle wichtigen Daten zu Ertragslage, Kapitalstruktur und Mittelflüssen sollten unbedingt klar erfasst und auf ihren objektiven Informationswert hin überprüft werden. War es in der Vergangenheit beispielsweise aus steuerlichen Gründen opportun, stille Reserven zu bilden, sollten diese im Hinblick auf die Eigenkapital-Stärkung künftig gehoben und in der Bilanz ausgewiesen werden. Schließlich werden die harten Faktoren beim bankinternen Rating in maßgeblichem Umfang in die Bewertung einfließen.
Die „weichen Faktoren" nehmen bei der Bewertung tendenziell zwar ein geringeres Gewicht ein, entsprechen aber genau den Informationen, die früher die Masse für Kredit-Entscheidungen auf Vertrauensbasis bildeten. Hierzu zählt etwa die detaillierte Beschreibung der Unternehmensziele und -strategien, Entscheidungshierarchien, Nachfolgeregelungen oder die Selbstverpflichtung zu einer kalkulatorischen Buchhaltung.
Fazit
Zusammengefasst gilt, dass Basel II nicht zu einer Gefährdung mittelständischer Strukturen führt. Jedoch steigt der Aufwand für ein umfassenderes Berichtswesen auch für kleinere Unternehmen. Eine existenzbedrohliche Verschärfung der Finanzierungssituation für rund zehn Prozent der KMU, wie einige Wirtschaftsverbände sie prognostizieren, wird von unabhängigen Finanzexperten nicht befürchtet. Je früher Sie sich als Unternehmer jedoch auf die neue Situation einstellen, desto komfortabler und günstiger wird sich Ihre künftige Finanzierungssituation gestalten. Die Beziehung zwischen Kunde und Bank bleibt dabei auch nach Basel II von entscheidender Bedeutung.
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